|
Es ist Nacht und mein Herz kommt zu dir, hält's nicht aus, hält's nicht aus mehr bei mir. Legt sich dir auf die Brust, wie ein Stein, sinkt hinein, zu dem deinen hinein.
Dort erst, dort erst kommt es zur Ruh, liegt am Grund seines ewigen Du.
Christian Morgenstern (1871-1914)
Dass du mich liebst, das wusst ich, Ich hatt es längst entdeckt; Doch als du mir's gestanden, Hat es mich tief erschreckt.
Ich stieg wohl auf die Berge Und jubelte und sang; Ich ging ans Meer und weinte Beim Sonnenuntergang.
Mein Herz ist wie die Sonne So flammend anzusehn, Und in ein Meer von Liebe Versinkt es groß und schön.
Heinrich Heine (1797-1856)
Durch Dich will ich die Welt sehen; denn dann sehe ich nicht die Welt, sondern immer nur Dich, Dich, Dich ...
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Weil du die Tage zu Schiffen machst, die ihre Richtung kennen. Weil dein Körper lachen kann. Weil dein Schweigen Stufen hat. Weil ein Jahr die Form deines Gesichts annimmt. Weil ich durch dich verstehe, dass es Anwesenheit gibt, liebe ich dich.
Walter Helmut Fritz (geb. 1929)
Aus goldenem Odem Erschufen uns Himmel. O, wie wir uns lieben...
Vögel werden Knospen an den Ästen, Und Rosen flattern auf.
Immer suche ich nach deinen Lippen Hinter tausend Küssen.
Eine Nacht aus Gold, Sterne aus Nacht... Niemand sieht uns.
Kommt das Licht mit dem Grün, Schlummern wir; Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Wir wohnen Wort an Wort
Sag mir Dein liebstes Freund
Meines heißt Du
Rose Ausländer (1901-1988)
|
|
Du, ich liebe Dich grenzenlos! Über alles Lieben, über alles Hassen! Möchte Dich wie einen Edelstein In die Strahlen meiner Seele fassen. Leg' Deine Träume in meinen Schoß, Ich ließ ihn mit goldenen Mauern umschließen Und ihn mit süßem griechischem Wein Und mit dem Oele der Rosen begießen.
O, ich flog nach Dir wie ein Vogel aus, In Wüstenstürmen, in Meereswinden, In meiner Tage Sonnenrot In meiner Nächte Stern Dich zu finden. Du! breite die Kraft Deines Willens aus, Dass wir über alle Herbste schweben, Und Immergrün schlingen wir um den Tod Und geben ihm Leben.
Else Lasker- Schüler (1869-1945)
|
|
|
Ich habe dich gewählt Unter allen Sternen.
Und bin wach - eine lauschende Blume Im summenden Laub.
Unsere Lippen wollen Honig bereiten, Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.
An dem seligen Glanz deines Leibes Zündet mein Herz seine Himmel an -
Alle meine Träume hängen an deinem Golde, Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Wo hast Du all die Schönheit hergenommen, Du Liebesangesicht, Du Wohlgestalt?! Um Dich ist alle Welt zu kurz gekommen! Weil Du die Jugend hast, wird alles alt, weil Du das Leben hast, muss alles sterben, weil Du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort, weil Du vollkommen bist, ist sie ein Scherben, weil Du der Himmel bist, gibt's keinen dort!
Ricarda Huch (1864-1947)
Wenn wir uns ansehn, Blühn unsere Augen.
Und wie wir staunen Vor unseren Wundern - nicht? Und alles wird so süß.
Von Sternen sind wir eingerahmt Und flüchten aus der Welt.
Ich glaube wir sind Engel.
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
|